„Im Altbau funktioniert das nicht“ ist das häufigste Vorurteil, das uns begegnet – und in etwa zwei von drei Fällen ist es falsch.
Ob eine Wärmepumpe wirtschaftlich läuft, hängt nicht am Baujahr, sondern an einer einzigen Größe: der Vorlauftemperatur, die Ihr Heizsystem an kalten Tagen tatsächlich braucht. Je niedriger sie ist, desto besser die Jahresarbeitszahl – und desto niedriger die Stromrechnung.
Der Heizkurven-Test
Sie können den Test selbst durchführen, an einem kalten Tag mit Außentemperaturen um oder unter null Grad:
- Stellen Sie die Vorlauftemperatur Ihrer bestehenden Heizung schrittweise herunter, etwa in Fünf-Grad-Schritten.
- Warten Sie nach jeder Absenkung mindestens einen Tag.
- Prüfen Sie, ob alle Räume noch ihre Solltemperatur erreichen.
- Notieren Sie den niedrigsten Wert, bei dem es noch warm wird.
Die Faustregel
Bleibt es bei 55 °C Vorlauftemperatur in allen Räumen warm, ist Ihr Gebäude wärmepumpentauglich. Zwischen 55 und 65 °C lohnt sich der Blick auf einzelne Heizkörper – oft reicht der Tausch von zwei oder drei Stück. Über 65 °C sollte zuerst die Gebäudehülle verbessert werden.
Was die Effizienz sonst noch beeinflusst
Heizflächen
Große Flächen brauchen niedrige Temperaturen. Fußbodenheizung ist ideal, aber auch großzügig dimensionierte Niedertemperatur-Heizkörper funktionieren gut. Der punktuelle Tausch einzelner Heizkörper ist deutlich günstiger als eine komplette Fußbodenheizung.
Hydraulischer Abgleich
Ohne Abgleich bekommen einzelne Räume zu viel und andere zu wenig Wärme – die Anlage wird über den kältesten Raum gesteuert und läuft dauerhaft zu heiß. Der Abgleich ist bei Förderprogrammen ohnehin Pflicht und kostet einen Bruchteil der Anlage.
Warmwasser
Warmwasser braucht höhere Temperaturen als Heizwärme. Wenn im Sommer nur dafür geheizt wird, sinkt die Jahresarbeitszahl spürbar. Eine PV-Anlage oder ein separater Warmwasser-Wärmepumpenboiler kann das auffangen.
Wann die Wärmepumpe (noch) nicht die richtige Wahl ist
- Ungedämmtes Dach oder oberste Geschossdecke – hier zuerst dämmen, das ist deutlich günstiger je eingesparter Kilowattstunde
- Einscheiben- oder sehr alte Zweischeibenverglasung
- Sehr kleine Heizkörper aus den 1970er-Jahren in allen Räumen
- Geplanter Verkauf innerhalb weniger Jahre – dann ist der Sanierungsfahrplan die bessere Investition
Häufige Fragen
Wird es mit einer Wärmepumpe im Altbau laut?
Moderne Außeneinheiten liegen bei 35 bis 45 dB(A) in drei Metern Abstand. Entscheidend ist der Aufstellort – nicht direkt unter dem Schlafzimmerfenster des Nachbarn.
Was kostet der Betrieb im Vergleich zu Gas?
Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5 und aktuellen Preisen liegen die Wärmekosten meist unter denen einer Gasheizung. Unter 2,8 wird es eng.
Ist Ihr Haus wärmepumpentauglich?
Wir messen die tatsächlich benötigte Vorlauftemperatur und rechnen die Jahresarbeitszahl für Ihr Gebäude durch.





